VideoGen-CEO Anton Koenig ist zu Gast im Podcast „Marketing B2B Technology“ und teilt Einblicke in die KI-gestützte Videoproduktion. Er erläutert, wie die Kombination aus KI-generierten Inhalten und professionellem Editing es Marketer:innen ermöglicht, hochwertige Videos in großem Umfang zu erstellen.

VideoGen-CEO Anton Koenig war als Gast im Podcast „Marketing B2B Technology“ von Napier-Moderator Mike Maynard eingeladen. In dieser Folge mit dem Titel "Harnessing AI for Video Editing: Insights from VideoGen's CEO Anton Koenig" erzählt Anton die Entstehungsgeschichte von VideoGen und wie KI die Videoproduktion für Marketer:innen verändert. Zudem gibt er praktische Tipps für alle, die Video aktiv in ihre Content-Strategie einbinden möchten.
Napier ist eine britische PR- und Marketingagentur für B2B-Technologie. Der „Marketing B2B Technology“-Podcast greift Gespräche mit führenden Persönlichkeiten der Branche auf, behandelt Marketing-Technologien, KI-Tools und praxisnahe Einblicke für B2B-Marketer. Der Podcast ist auf Apple Podcasts, Spotify und der Napier-Website verfügbar.
Das Gespräch beginnt damit, dass Anton erzählt, wie VideoGen entstanden ist. Er und Mitgründer David Grossman lernten sich auf einer Tennisakademie in der Mittelstufe kennen, wo sie Doppelpartner und -gegner waren. Im Unterschied zu ihren Gleichaltrigen verband sie ihr gemeinsames Interesse für Programmierung, Videoschnitt, Grafikdesign und digitale Kreation.
Während ihrer Schulzeit arbeiteten sie gemeinsam an verschiedenen Web-Anwendungen: Anton entwickelte ein kleines soziales Netzwerk, David ein Online-Musikbearbeitungstool. Sie starteten mehrere kleine Apps und wurden immer von dem Gedanken angetrieben, etwas zu bauen, das ihnen geholfen hätte, als sie selbst gerade anfingen, Inhalte online zu erstellen.
Ende 2022: Beide standen kurz vor dem Abschluss ihres Studiums und hatten Praktika bei großen Tech-Unternehmen absolviert. Statt den klassischen Weg als Softwareentwickler in große Unternehmen einzuschlagen, beschlossen sie, ein Startup zu gründen, das sich mit einem Bereich beschäftigte, in dem sie wirklich Experten waren: Videobearbeitung.
Das Timing war günstig: OpenAI brachte gerade GPT-3 heraus, und Anton und David gehörten zu den Ersten, die Zugang zur privaten Plattform erhielten. Sie erkannten die Chance, mit diesen KI-Modellen die Videobearbeitung zugänglicher zu machen – für Marketer:innen, Lehrende und Kommunikator:innen, denen herkömmliche Software überfordernd und zeitraubend erschien.
Nach sechs Monaten fokussierter Entwicklung brachten sie Anfang 2023 die erste Version von VideoGen heraus. Seither wuchs die Plattform auf über 4 Millionen Nutzer:innen in mehr als 190 Ländern, mit Investoren wie Y Combinator und Rebel Fund im Rücken.
Ein zentrales Thema der Folge ist, wie sich VideoGen seit dem Launch 2023 weiterentwickelt hat. Die ursprüngliche Version war simpel: Nutzer:innen gaben einen Prompt ein, die KI suchte Stock-Videos, generierte einen Sprechertext und stellte alles zu einem Video zusammen. Nach der Erstellung waren die Bearbeitungsmöglichkeiten allerdings stark eingeschränkt.
Das erleichterte zwar Anfängern und kleinen Creators den Einstieg, aber inzwischen richtet sich die Plattform an (Semi-)Profis, die mehr Kontrolle brauchen. Der aktuelle Workflow sieht vor, dass die KI einen Entwurf erstellt – etwa 75% des Weges – danach können die Nutzer:innen jedes Detail in einem voll ausgestatteten Editor anpassen und perfektionieren.
Anton beschreibt den typischen Workflow so: Prompt eingeben, KI-generiertes Skript erhalten, das Skript anpassen und verfeinern (Layouts im Wireframe-Storyboard anpassen), dann absenden. Die KI sucht Stockmaterial oder generiert Clips, erstellt das Voiceover per KI oder als Avatar, fügt Musik und Untertitel hinzu. Nutzer:innen können anschließend alles nachjustieren – von Markenfarben bis zu einzelnen Textzeilen.
Diese Entwicklung kam direkt daraus, dass VideoGen sein Produkt selbst intern nutzte. Anton erklärt, dass professionelle Einsatzzwecke schnelle Anpassungen an Markenfarben, spezifische CTAs oder A/B-Tests verschiedener Texte erfordern – das war in der ursprünglichen Version schlicht nicht möglich.
Gefragt nach dem Unterschied zu Consumer-KI-Videotools wie ChatGPT oder Bing betont Anton die Bedeutung der Bearbeitungsmöglichkeiten. Tools für Endverbraucher sind gut, um kurze Clips zu generieren, bieten aber nicht die Kontrolle, die Profis brauchen.
Gerade B2B-Marketer:innen, die punktgenaue, markenkonforme Videos für verschiedene Kampagnen benötigen, sind auf präzise Feinabstimmung angewiesen. Genau das liefert VideoGen, was reine KI-Generatoren aktuell nicht leisten.
Das Interview zeigt: Die größte Nutzergruppe von VideoGen sind Marketer:innen – sowohl hauptberufliche als auch Menschen, die Marketing nebenbei betreiben. Starke Nutzung kommt von B2B- und B2C-Marketer:innen, von Content-Creators, die ihr Publikum aufbauen, um Produkte zu verkaufen, und von Teams in Training, Kommunikation oder Unternehmensbildung.
Anton merkt an, dass Corporate-Education-Kund:innen häufig längere Inhalte produzieren – etwa 5 bis 10 Minuten, um komplexe Themen zu erklären. Auch große Medienunternehmen gehören zu den Kunden, wobei Anton betont, dass die Vielfalt der Anwendungsfälle ihre Erwartungen übertroffen hat.
Nach den größten Nutzeneffekten gefragt, verweist Anton besonders auf bezahlte Social-Kampagnen. Hier müssen Teams zwischen 10 und 100 kreative Assets pro Woche produzieren, davon ein erheblicher Anteil in Videoform. Diese Mengen sind manuell schlicht nicht mehr zu leisten.
Mit VideoGen können Teams die Hauptassets erstellen und mit KI schnell Varianten für Tests erzeugen. Während der organische Marketing-Erfolg in einigen Fällen "überraschend gut" verlief – Kanäle wuchsen auf 10.000, 50.000 oder sogar 100.000 Abos –, sieht Anton Paid Social als den wichtigsten, regelmäßig wiederkehrenden Anwendungsfall.
Ein besonders wertvoller Abschnitt des Gesprächs widmet sich den Fehlern, die Anton bei der Nutzung von KI-Videotools sieht. Paradoxerweise ist der größte Fehler nicht technischer Art – es ist das blinde Vertrauen in die KI.
Anton erklärt: Die eigentliche Stärke von KI besteht zwar darin, Arbeit abzunehmen, aber das beste Ergebnis erreicht man, wenn man KI-Ausgaben als ersten Entwurf betrachtet, nicht als fertiges Produkt. Die KI löst das „leere-Seite“-Problem und übernimmt mühsame Aufgaben wie Recherche und erste Skriptentwürfe. Aber professionelle, mitreißende Videos brauchen menschliche Veredelung.
Erfolgversprechende Marketer:innen überarbeiten ihre KI-Inhalte: Sie optimieren Einstiegssätze für mehr Engagement, formulieren Texte prägnanter und sorgen dafür, dass die Endfassung zur eigenen Markenstimme passt. Anton beschreibt das als den Unterschied zwischen "okay" und "super professionell und ansprechend".
Anton bringt eine differenzierte Sicht auf die Qualitäts-vs.-Mengen-Debatte. Er stellt fest, dass VideoGen-Nutzer:innen im Schnitt bereits innerhalb von 15 Sekunden ein Video erzeugen können – das kann dazu verleiten, zu schnell vorzugehen. Im Gegensatz dazu verbringen Marketer:innen ohne KI oft Stunden oder Tage an einem Video – für moderne Kampagnen eindeutig zu langsam.
Das ideale Mittelmaß ist laut Anton: etwa 30 Minuten für die Verfeinerung jedes Videos, bevor es weitergeht. So entstehen statt einem überperfektionierten oder 50 unbearbeiteten Videos zehn wirklich gut gestaltete Kampagnenvideos.
Nach Empfehlungen zu Stockmaterial, KI-Clips oder eigenen Aufnahmen sagt Anton: Es kommt auf den Anwendungsfall an. Im Regelfall mischen Nutzer:innen nicht Stock- und KI-Clips in einem Video – entweder wird Stock plus eigenes Material oder ausschließlich KI-generierter Content verwendet.
Für VideoGens eigenes Marketing hat sich ein Mix bewährt: KI-Eröffnungshooks für Aufmerksamkeit, gefolgt von eigenen Assets wie Screen-Recordings und Motion Graphics. Dieses Vorgehen nutzt die kreativen Stärken von KI für aufmerksamkeitsstarke Momente, bleibt aber beim Kernbotschaft kontrolliert.
Mit Blick in die Zukunft bleibt Anton pragmatisch. Anstatt große Vorhersagen zu treffen, konzentriert er sich auf VideoGens konstante Strategie: jeden Tag konkrete Kundenprobleme lösen. Wenn das Team kontinuierlich Wert liefert, ergeben sich die großen Trends von selbst.
Gleichzeitig sieht Anton einen klaren Trend: Die Nachfrage nach Video wächst weiter. Nicht nur wegen KI – sondern weil die grundlegenden Technologien wie Streaming und Speicherung in den letzten Jahren massiv besser und günstiger geworden sind. Die Kosten für Videostreaming sinken, immer mehr Geräte unterstützen Videowiedergabe, Produktionskosten sinken weiter. KI beschleunigt diesen Trend, ist aber nicht der Haupttreiber.
Mit wachsendem Videokonsum und wachsender „Creator-Zahl“ steigt auch der Wettbewerb und das Qualitätsniveau. Anton erwartet, dass daraus weitere Trends, Memes und virale Momente in immer mehr Nischensegmenten entstehen.
Nach dem besten Marketing-Tipp gefragt, betont Anton: Value-driven Marketing – durch Mehrwert Vertrauensaufbau, was am Ende zu Kunden wird. Das gilt für Inhalte wie für das Produkt selbst – Gratisvideos oder KI-Guthaben zeigen den Nutzern zunächst den Wert, bevor sie sich binden.
Für Neueinsteiger:innen nennt Anton zwei Empfehlungen: Lerne Videos zu erstellen (das ist eine zunehmend wichtige, aber noch seltene Marketer-Kompetenz) und entwickle ein fundiertes Verständnis von SEO. Die Prinzipien, wie Suchmaschinen und KI-Plattformen Inhalte auffinden, bleiben trotz aller Technologieentwicklung stabil.
Das vollständige Interview behandelt weitere Themen wie VideoGens Marketingstrategie, die Entwicklung von Consumer- zu Prosumertools und technische Detailfragen.
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"Die Fehler, die wir sehen, sind nicht das eigene Texten, sondern das völlige Vertrauen darauf, dass die KI alles für sie übernimmt."
"Der Haupttreiber für mehr Videonachfrage ist, dass die Streamingkosten sinken und mehr Geräte Video unterstützen."
"Videos zu erstellen ist jetzt eine superwichtige Fähigkeit – und viele Marketer:innen können es noch nicht."
VideoGen Team
VideoGen